Alleingeburt zu Hause: Entspannter hätte es kaum sein können

Alleingeburt zu Hause

Klingt komisch, aber : entspannter gings kaum...

Meine zweite Geburt war als Klinikgeburt geplant. Nicht etwa, weil ich so furchtbar gerne im Krankenhaus gebärt hätte, sondern einfach, weil mir keine Wahl blieb. In meiner ersten Schwangerschaft hatte sich herausgestellt, dass ich aufgrund einer Blutgerinnungsstörung keine Hausgeburt haben durfte. Da dasselbe Problem bei der zweiten Schwangerschaft natürlich auch noch bestand, suchte ich erst gar nicht nach einer Hebamme für eine Hausgeburt und auch nicht nach einem Geburtshaus. Das kam für mich ja eh nicht in Frage. Stattdessen versuchte ich mich mit dem Gedanken anzufreunden, wieder im Krankenhaus zu gebären. Schließlich lief es ja letztes Mal auch gut. Bei der Geburtsanmeldung gab ich an, möglichst nicht gestört werden zu wollen. Außerdem plante ich, wieder möglichst spät ins Krankenhaus zu gehen. Also erst dann, wenn die Wehen schon im Minutentakt auftraten.

Immerhin hatte es letztes Mal ja dann auch noch weitere vier Stunden gedauert, bis das Kind dann auf der Welt war.

Am Tag der Geburt meiner Tochter war es angenehm warm draußen und wir verbrachten den Mittag und Nachmittag im Garten. Meine Eltern kamen mitsamt ihrem Hund. Während mein Mann dann abends zu seinem Tanzkurs fuhr, wollten wir zusammen essen. Meine Eltern wollten mich damit entlassten, denn mein großer Sohn wollte ja auch beschäftigt werden, und für mich war mittlerweile alles sehr anstrengend. Während der Essenszubereitung spürte ich die erste Kontraktion. Ich hielt es für eine Übungswehe, von denen ich in letzter Zeit immer mal wieder die eine oder andere hatte. Außerdem war die Wehe extrem leicht, kaum zu spüren sogar. In den nächsten Minuten kamen ein paar „Übungswehen“ hinzu. Vielleicht würde es ja jetzt doch endlich losgehen? Ich hoffte. Doch noch wollte ich keinen falschen Alarm geben. Daher rief ich meinen Mann noch nicht an. Während des Essens stellte sich eine gewisse Regelmäßigkeit ein, doch ich hatte noch keinerlei Mühe mit den Wehen. Trotzdem begann ich bereits, jede Wehe zu veratmen. Meine Eltern nahmen die Wehen auch noch nicht wirklich ernst, denn sie redeten weiterhin munter mit mir, realisierten teilweise nicht mal, dass ich gerade die Wehenatmung anwendete („Merkst du eigentlich, dass du mir bei jeder Wehe eine Frage stellst und dich dann wunderst, dass ich so lange mit dem Antworten brauche?“, fragte ich sogar einmal meinen Vater. Das sagt eigentlich auch schon viel aus, aber das ist ein anderes Thema^^). Als ich bemerkte, dass die Wehen blieben, rief ich dann doch meinen Mann an. Der Tanzkurs war fast vorbei. Ob er sich noch was zu essen holen könnte? Ich bejahte und bat nur darum, dieses Mal nicht dort zu essen, sondern das Essen mit nach Hause zu nehmen.

Nunja…und dann ging alles ungewöhnlich schnell. Die Wehenabstände verringerten sich ziemlich schnell. So sehr, dass es sich für mich nicht mehr lohnte, sich überhaupt noch einmal hinzusetzen (Ich habe alle Wehen grundsätzlich im Stehen veratmet). Ich hatte das Bedürfnis meine Hüfte zu kreisen und tat das bei jeder Wehe und hielt mich dabei am Türrahmen fest.

„Mir wird’s hier zu wuselig.“, sagte ich dann, und bat meinen Vater mit dem Hund und meinem großen Sohn zu gehen. Erstens konnte ich die besorgten Kommentare meines Vaters während der intensiven Geburtsphase nicht gebrauchen, andererseits sehnte sich alles in mir nach ein bisschen mehr Ruhe. Und die kehrt mit einem zweijährigen und einem jungen Hund dann doch nicht so recht ein. Mein Vater belud aus Auto (Die Taschen waren natürlich schon seit Tagen gepackt) und ich verabschiedete meinen Sohn.

Nun gab es noch ein zweites intensives Gefühl: Ich wollte mich dringend warm anziehen. Daher holte ich mir trotz der warmen Temperaturen Socken und einen warmen Pullover.

Kaum hatte ich die warme Kleidung an und kaum waren mein Vater, der Hund und mein Sohn aus dem Haus, nahm die Geburt so richtig  Fahrt auf. „Ich würde mich gerne noch mal ausruhen“, sagte ich zu meiner Mutter. „Mach das doch.“, sagte sie noch, doch ich entgegnete, dass kaum, dass sobald ich mich hinlegte, die nächste Wehe schon wieder losging und ich mich wieder stellen musste. Also blieb ich stehen und machte mein Tänzchen mit dem Türrahmen. Meine Mutter rief nun meinen Mann an. Wo er denn bliebe? Er solle sich beeilen. Sobald er da wäre, müssten wir ins Krankenhaus aufbrechen. Doch dazu kam es nicht. Kaum hatte meine Mutter aufgelegt, hatte ich zwei „laute“ Wehen und es platze die Fruchtblase (Ja, ab diesem Punkt war Schluss mit veratmen^^). „Soll ich den Krankenwagen rufen?“, frage sie. Ich meine, ich sagte ihr, sie solle einfach da bleiben. Ich spürte, dass ich jetzt das Kind bekommen würde und bestimmt nicht mehr schwanger in einen Krankenwagen steigen würde. Kaum war die Fruchtblase geplatzt kamen zwei Presswehen. Ich atmete mit und war dabei absolut ruhig und zufrieden. Vielleicht eben deshalb, weil eine Hausgeburt für mich keine Horrorvorstellung entsprochen hat, sondern mein absoluter Wunsch war. Meine Mutter konnte nun auch sehen, dass das Köpfchen schon da war und schrie mich an, ich sollte pressen. „Kann nicht, hab grad keine Presswehe“, sagte ich ihr. Ich war erstaunlich wach, bei dieser Geburt (bei der ersten war ich ja total in neben mir und in Trance). Trotz ihres Geschreies presste ich die kleine Maus nicht künstlich heraus, sondern wartete ab, bis die nächste Presswehe kam. Und mit der zweiten Presswehe war sie dann auch schon da. Und ich unverletzt. Letzteres zeigt übrigens: Selbst bei einer Alleingeburt zu Hause muss man sich (für eine selbstbestimmte und sanfte Geburt) durchsetzen, denn die veralteten Vorstellungen (angeleitetes Pressen) sind eben nun mal in Köpfen unserer Mitmenschen verankert.

Das war der schöne Teil der Geburt und an diesen denke ich auch sehr gerne zurück. Irgendwie ist es sogar wundervoll, den Geburtsort meiner Tochter immer präsent zu haben.

Danach kam der etwas nervigere Teil. Mit meiner Tochter im Arm lief ich vom Badezimmer ins Schlafzimmer, legte mich hin und sie auf meine Brust. Ich will nicht lügen: Die Strecke vom Bad zum Schlafzimmer sah aus wie sau!

Meine Mutter rief den Krankenwagen (und ich vermute, sie hat ein bisschen übertrieben mit ihrer Beschreibung). Jedenfalls standen kurz darauf 8 besorgte Sanitäter und ein Notarzt bei mir im Schlafzimmer. Und ich hatte eigentlich so gar keinen Bedarf. Ich wollte eigentlich nur mit meiner kleinen Kuscheln. An den Blicken, die die Ersthelfer sich zuwarfen, sah ich auch, dass sie sich dachten: Wieso sind wir eigentlich so viele hier und was sollen wir machen? Jedenfalls traf mein Mann praktisch mit dem Krankenwagen ein und durfte dann noch die Nabelschnur durchschneiden. Die Plazenta ließ sich dann aber Zeit und ich wurde liegend ins Krankenhaus transportiert. Meine Tochter fuhr in einem weiteren Krankenwagen mit meinem Mann. Die Begeisterung des Personals und vor allem des Oberarztes über unsere „ungewöhnliche“ Geburt hielt sich in Grenzen, doch ich war zufrieden. Es war zwar schade, dass mein Mann die Geburt verpasst hatte, doch sonst gab es nichts worüber man sich hätte beschweren können. Über Umwege  bin ich also doch noch zu meiner Hausgeburt gekommen.

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